Ulrich H. Rose vom 10.03.2018

Vorab ein Artikel von Antonia Baum aus DIE ZEIT Nr. 08/2018 vom 15. Februar 2018:

Politische Überzeugung: Links-rechts-Schwäche

Die richtigen Überzeugungen zu haben ist gut.
Noch besser wäre, auch zu wissen, warum.


Menschen aus dem sozialliberalen Milieu sind mit Menschen aus dem sozialliberalen Milieu befreundet, dessen Mitglieder sich bekanntermaßen eher nicht als rechts verstehen, und so geht man als sozialliberaler Milieumensch möglicherweise einfach davon aus, dass die eigenen Freunde schon denken werden, was man richtig findet. Und damit ist die Leere, die bloße Symbolfunktion der Begriffe rechts und links im alltäglichen Gebrauch angedeutet, und man konnte jener Leere kürzlich in einer Ausgabe der Arte-Sendung Durch die Nacht mit ... dabei zusehen, wie sie sich vor einem auftat. Der Regisseur Oskar Roehler traf den Schauspieler Lars Eidinger. Wobei es hier weniger um die Figuren Roehler/Eidinger gehen soll, sondern um die Betrachtung einer Unterhaltung, die so oder so ähnlich überall hätte stattfinden können, einer Unterhaltung also, die vielleicht Interessantes über diese Gegenwart erzählt. Im Laufe der Sendung jedenfalls fragt Eidinger Roehler, ob der eigentlich rechts sei.

Roehler: "Eher rechts als links (...)."

Eidinger, irritiert: "Also, das könnte ich jetzt von mir zum Beispiel niemals behaupten. Also, so einen Satz könnte ich niemals sagen, dass ich eher rechts bin als links. Also, da müsste man sich jetzt tatsächlich länger drüber unterhalten. Das würde ich gerne verstehen. Also, ich, ich bin natürlich ... ich würde mich immer als eher links sehen. Ist ja klar. Also, auch politisch.

Roehler kokettiert dann ein bisschen rum (was er bekanntermaßen schon vorher öffentlich getan hat). Eidinger erklärt, dass er durch die Aussagen Roehlers schockiert sei, und man kann ihm seine Überforderung ansehen.

Als Eidinger Roehler fragt, welche rechten Werte er denn vertrete, entgegnet der, dass er das "genau" sagen könne: "Ich find alles gut, was der Vernunft einigermaßen obliegt. (...) Es gibt Dinge, die meiner Vorstellung von Vernunft komplett widersprechen. Und das ist beispielsweise das, was die Grünen mit ihrer Multikulti-Politik versucht haben, richtig zu machen, aber nicht begriffen haben, was es bedeutet."

Eidinger: "Was meinst du jetzt mit Multikulti, was meinst du damit konkret?"

Roehler: "Ich mein damit, dass der Staat nicht vernünftig handelt, was diesen Punkt angeht."

Was aber heißt "vernünftig"? Die Vokabel scheint einfach nur eine Chiffre für die persönlichen Anliegen Roehlers zu sein (etwa dass der Staat für die reinrassige Übersichtlichkeit Germanys sorgen soll?). Eidinger erklärt daraufhin, dass er immer im "Unrechtsbewusstsein" groß geworden sei, dass sein Wohlstand auf der Ausbeutung anderer gründe und dass er deswegen etwas abgeben müsse. Roehler scheint das nicht so zu sehen und winkt ab, als Eidinger Menschen erwähnt, die bereit seien, ihr Leben zu riskieren, um nach Deutschland zu gelangen.

Roehler: "Ah, bitte nicht, naa, des möchte ich mir bitte nicht vorstellen heute Abend." Und Eidinger sagt nichts. Er scheint vollkommen unvorbereitet darauf zu sein, im tendenziell sozialliberalen, also irgendwie linken Kulturmilieu auf jemanden zu treffen, der sich als eher rechts bezeichnet, und kann dem nichts entgegensetzen. Weil links für ihn das Symbol für richtig zu sein scheint. Es wirkt, als sei diese eingeschlafene und superbequeme Natürlich-bin-ich-links-Haltung für ihn so klar, dass man darüber nicht nachdenken müsse. Und es stellt sich angesichts dieses Stammtisch-Talks die Frage, was die beiden eigentlich trennt, außer der bloße Hinweis auf den Standort (links/rechts).

Das Symbolhafte der Unterhaltung wird auch deutlich, wenn Eidinger so zuverlässig schockiert reagiert. Was aber war denn schockierend? Dass man im Fernsehen mit einem Rechten gesehen wird? Und wem hat man einen Gefallen getan, wenn man brav (und sicher aufrichtig) davon schockiert ist, dass Roehler sich eher rechts nennt? Natürlich Roehler, dem so langweilig zu sein scheint, dass er halt bisschen mit Rechts flirtet. Das führt zurück zum sozialliberalen Milieu, das mit dem sozialliberalen Milieu befreundet ist und also in einer sehr annehmlichen, übersichtlichen Blase lebt, von der aus es selbstverständlich ganz leicht ist, sich links und tolerant zu nennen, weil daraus ja exakt gar nichts folgt, außer der Sicherung der eigenen bequemen Grundausstattung (ich bin links und richtig). Jene Blase aber ist offenbar nicht mehr so schön homogen, wie das ihre Mitglieder gern hätten, um mit gutem Gewissen weiterschlafen zu können.
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Jetzt zu meiner Links-Rechts-Schwäche


Meine Links-Rechts-Schwäche hat nichts mit dem Verwechseln von "nach links gehen" oder "nach rechts gehen" zu tun. Sie hat etwas mit meiner Schwäche des Umgangs mit Sprache und mit den Begriffen zu tun, mit der Legasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung).

Basierend auf dieser "Schwäche des Umgangs mit Sprache und Begriffen" ist es für mich seit über 50 Jahren schwierig die politischen Richtungen Rechts und Links einzuordnen.

Da ich ja immer den Sinn in etwas - auch in den Sätzen - suche, hier der Unsinn zum vorangegangenen Satz: Auf einer "Schwäche" kann nichts basieren!!! oder "Auf einer Schwäche sollte nichts basieren, da sinnlos!" Dies fiel mir sofort beim Formulieren dieses Satzes im Kopf - vor dem Schreiben - ein und auf. Trotzdem schrieb ich den Satz so hin. War das sinnvoll? Wenn Du mich jetzt mit meiner milden Legasthenie in die Ecke stellen willst, dann sieh Dir "Die schleichende Volksverdummung" (DI) an. Dort sind sprachgewandte Reporter nicht in der Lage den Unsinn in ihrer Sprache zu verstehen. Das kann Dir evtl. aufzeigen, dass ein Legastheniker (wie ich) einen Nachteil zu einem Vorteil ummünzen kann. Ganz deutlich zeige ich das auf in "Betrug und Selbstbetrug" = eine seeeeehr lesenswerte Abhandlung von mir.

Und nun die Quintessenz aus dem vorigen Absatz: War es vielleicht doch nicht sinnvoll von mir zu schreiben Auf einer "Schwäche" kann nichts basieren!!! oder "Auf einer Schwäche sollte nichts basieren, da sinnlos!" ? - , denn scheinbar hat sich bei mir doch etwas aus einer Schwäche - basierend auf einer Schwäche - entwickelt? - - - Habe ich Dich jetzt verwirrt?
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Wenn ja, dann - nachgereicht - der Sinn zu dem Vorangegangenen:
Sprache und Begriffe sind nicht immer dazu geeignet etwas auszudrücken, was vermeintlich oder tatsächlich in ihnen steckt. Siehe dazu als Beispiel "Die vollkommenen Begriffe" (DI)

A. Deshalb sprecht miteinander!

B. Künstliche Intelligenz, wie soll das gehen bei diesem Unsinn, den wir produzieren?

C. Ruf an, wenn Du Fragen hast! Siehe dazu mein Impressum.
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Nun aber zurück zum Thema: Meine Links-Rechts-Schwäche.

Nach diesen 50 Jahren meiner "Links-Rechts-Schwäche" fasse ich zusammen:

1. Zu Links und Rechts gehört auch die politische Mitte.

2. In diesen 50 Jahren bemerkte ich, dass sich diese Mitte immer wieder - von ihrer Mitte? weg - nach Links und Rechts orientierte, je nach Stimmungslage und Strategie.

3. Fehlen tut es ALLEN, das sind Links oder Rechts oder der Mitte an Vernunft. "Wenn es eine Politik der Vernunft gäbe, dann bräuchte es kein LINKS oder RECHTS, auch nicht die MITTE."

4. Gut, dass ich eine "Links-Rechts-Schwäche" habe. Basierend auf dieser Schwäche hat sich bei mir die Vernunft entwickelt!

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Alles klar?

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